Ein Gespräch mit einem Menschen mit Demenz verläuft oft anders als früher. Wörter fehlen, dieselbe Frage kommt mehrfach, oder das Thema wechselt zu etwas, das gerade wichtig ist. Für beide Seiten kann das anstrengend sein. Der Austausch muss deshalb nicht aufhören.
Dieser Beitrag richtet sich an Menschen, die jemanden mit einer Demenz begleiten: an Angehörige, Freunde, Nachbarn und an alle, die beruflich oder ehrenamtlich Zeit mit dieser Person verbringen.
Zwei Dinge lassen sich häufig beeinflussen: das Tempo und die Menge der Informationen auf einmal. Alles Weitere hängt von der Person ab. Was heute gelingt, kann morgen schwerfallen, und umgekehrt.
Eine Frage nach der anderen
Wenn Sie etwas wissen möchten, stellen Sie eine Frage und warten die Antwort ab. Mehrere Anliegen in einem Satz sind häufig zu viel: „Haben Sie schon gegessen, möchten Sie mitkommen, oder soll ich etwas mitbringen?“ lässt sich schwer erfassen. Leichter ist eine kurze Frage, danach die nächste.
Ein Beispiel aus einem gewöhnlichen Vormittag: Der Kaffee steht auf dem Tisch, und Sie möchten wissen, ob Ihr Gegenüber schon gefrühstückt hat. Statt der Frage „Wissen Sie noch, ob Sie heute etwas gegessen haben?“ hilft vielleicht ein Blick auf den Tisch und eine Bemerkung: „Der Kaffee ist noch heiß. Möchten Sie ein Brot dazu?“
Wenden Sie sich der Person zu, sprechen Sie sie direkt an und schauen Sie sie beim Sprechen an. Schalten Sie den Fernseher leiser, wenn er läuft. Sprechen Sie nicht über den Kopf der Person hinweg mit anderen im Raum. Kommt eine Frage nicht an, formulieren Sie sie beim zweiten Versuch mit anderen Worten, statt sie lauter zu wiederholen. Zeit zu lassen und das Gegenüber direkt anzusprechen, gehört zu den Grundlagen eines respektvollen Umgangs.S06
Weitere Anregungen zur Verständigung bietet die Deutsche Alzheimer Gesellschaft in ihren Hinweisen zu Umgang und Kommunikation bei Demenz.
Gefühle wahrnehmen, ohne zu täuschen
Äußerungen können etwas anderes ausdrücken, als die Worte zunächst nahelegen. Ein Satz über eine längst verstorbene Person kann von Einsamkeit erzählen. Ein Vorwurf kann aus Unsicherheit entstehen. Achten Sie auf Tonfall, Haltung und Unruhe. Darin zeigt sich oft mehr als im Inhalt der Worte.
Sie können auf das Gefühl antworten, statt eine Angabe zu prüfen. Sätze wie „Das klingt nach einem schönen Nachmittag“ oder „Sie machen sich Sorgen“ greifen auf, was gerade wichtig ist, ohne über Fakten zu streiten. Sie müssen eine falsche Angabe nicht bestätigen und ebenso wenig richtigstellen. Beides wird leicht zu einem Streit über Dinge, die sich nicht klären lassen.
Eine allgemeine Anleitung zum Täuschen ist daraus nicht abzuleiten. Wenn Sie unsicher sind, können Sie offen sagen, dass Sie es nicht wissen, und bei dem bleiben, was gerade gemeinsam möglich ist.
Berührung wirkt nicht bei allen Menschen gleich. Manche empfinden eine Hand auf dem Arm als beruhigend, andere ziehen sich dann zurück. Beobachten Sie die Reaktion und fragen Sie nach, wenn Sie unsicher sind. Dasselbe gilt für Hilfe: Was jemand selbst übernehmen möchte, unterscheidet sich von Person zu Person.S06
Wenn ein Gespräch nicht gelingt
Nicht jedes Gespräch führt zu Verständigung. Manchmal ist die Person müde, abgelenkt oder von etwas anderem in Anspruch genommen. Dann hilft eine Pause mehr als ein weiterer Versuch.
- Unterbrechen Sie den Anlauf freundlich und ohne Vorwurf: „Lassen Sie uns später weiterreden.“
- Prüfen Sie die Umgebung. Lärm, viele Menschen im Raum oder ein laufender Fernseher erschweren das Verstehen.
- Versuchen Sie es später noch einmal, vielleicht bei einer anderen Tätigkeit und mit einem anderen Einstieg.
- Machen Sie sich klar, dass ein misslungenes Gespräch kein Versagen ist. Die Erkrankung verändert die Verständigung, nicht die Absicht der Beteiligten.
Wenn die Verständigung plötzlich deutlich schlechter gelingt als sonst, wenn die Person krank wirkt oder ungewöhnlich schläfrig ist, lassen Sie das ärztlich abklären. Eine deutliche Veränderung innerhalb von Stunden oder Tagen ist etwas anderes als eine langsam fortschreitende Demenz.
Wenn Gespräche und Begleitung über Monate viel Kraft kosten, ist das kein Zeichen mangelnder Zuwendung. Hilfe zu organisieren gehört dazu. Der Beitrag Entlastung für pflegende Angehörige organisieren beschreibt, wie sich Aufgaben verteilen lassen.
Die Person bleibt Teil des Gesprächs
Ein Mensch mit Demenz ist Gesprächspartner. Sprechen Sie mit der Person, nicht über sie. Wenn eine Frage an Sie gerichtet ist, können Sie sie weitergeben und selbst erst einmal zuhören. Bei einem Termin in der Praxis ist es oft sinnvoll, zuerst die betroffene Person antworten zu lassen.
Wie Sie über jemanden sprechen, prägt auch, wie Sie mit ihm sprechen. Bezeichnungen wie „Dementer“ oder „Demenzkranke“ machen aus einem Menschen eine Diagnose. Formulierungen wie „ein Mensch mit Demenz“ oder „meine Mutter, die eine Demenz hat“ nennen zuerst die Person.S07
Es ist nicht nötig, in eine einfache Sprache zu verfallen oder wie mit einem Kind zu sprechen. Ein klarer, erwachsener Satz in normaler Lautstärke ist angemessen.
Auch ohne viele Worte bleibt Austausch möglich. Viele Menschen reagieren auf Stimme, Blick, Berührung oder eine gemeinsame Tätigkeit. Was jemand mag, ist sehr unterschiedlich. Wie sich der Alltag mit Demenz übersichtlicher gestalten lässt, steht im Beitrag Den Alltag mit Demenz übersichtlich gestalten.
Die Anregungen in diesem Beitrag sind Möglichkeiten zum Ausprobieren. Sie können keine Einschätzung für einen einzelnen Menschen ersetzen. Wie viel Verständigung möglich ist, hängt von der Person, der Situation und dem Verlauf ab und kann sich verändern.
Quellen
Die Angaben nennen die verwendeten Dokumente und den Zeitpunkt der redaktionellen Prüfung. Sie erscheinen hier als Textangabe. Nur an den dafür festgelegten Stellen führt ein Beitrag zu einer externen Seite.
- Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Umgang und Kommunikation
- Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Sprachleitfaden „Demenz“


