Der Impfpass liegt oft lange unberührt in einer Schublade. Ein Vorsorgetermin oder der Beginn der Erkältungssaison ist ein guter Anlass, ihn mit in die Praxis zu nehmen. Denn bei Menschen ab 60 gelten mehrere Standardempfehlungen, aber nicht jede Impfung wird jährlich wiederholt. Manche hängt von Vorerkrankungen, früheren Dosen oder dem Wohnumfeld ab.

Eine Änderung ist leicht zu übersehen: Seit Juli 2026 empfiehlt die STIKO die jährliche COVID-19-Auffrischung als Standard ab 75 Jahren. Für gesunde Erwachsene zwischen 60 und 74 Jahren gilt sie nicht mehr routinemäßig. Bestimmte Grunderkrankungen und das Leben in einer Pflegeeinrichtung können unabhängig vom Alter eine Empfehlung begründen.S60S61

Fünf Impfungen, fünf unterschiedliche Zeitpläne

Die Übersicht zeigt die STIKO-Standardempfehlungen für ältere Erwachsene. Sie ersetzt keine Prüfung des persönlichen Impfstatus. Frühere Impfungen und bestimmte Erkrankungen können den Plan verändern.

Impfung Empfehlung für ältere Erwachsene Was Sie klären können
Influenza Ab 60 Jahren jährlich. Die STIKO empfiehlt einen inaktivierten Hochdosis- oder MF-59-adjuvantierten Impfstoff. Ist die Impfung für diese Saison im Impfpass eingetragen?
COVID-19 Jährlich ab 75 Jahren. Auch Menschen mit bestimmten Grunderkrankungen und Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen können unabhängig vom Alter dazugehören. Gibt es neben dem Alter einen persönlichen Risikogrund? Wann war die letzte Impfung oder Infektion?
Pneumokokken Ab 60 Jahren einmalig mit PCV20. Frühere Pneumokokken-Impfungen können den Mindestabstand verändern. Wurde früher PPSV23 oder ein anderer Pneumokokken-Impfstoff gegeben, und wann?
Gürtelrose Ab 60 Jahren zwei Dosen des Totimpfstoffs im Abstand von zwei bis sechs Monaten. Ist die zweite Dosis bereits erfolgt oder noch offen?
RSV Ab 75 Jahren einmalig. Von 60 bis 74 Jahren bei schwerer Grunderkrankung oder Leben in einer Pflegeeinrichtung. Gibt es einen persönlichen Risikofaktor, und wann passt die Impfung vor der RSV-Saison?

Für die Influenza-Impfung empfiehlt die STIKO Menschen ab 60 Jahren einen inaktivierten Hochdosis- oder MF-59-adjuvantierten Impfstoff. Beide Impfstofftypen sollen die Immunantwort in dieser Altersgruppe unterstützen; welche Variante angeboten wird, lässt sich in der Praxis klären.S62

Bei Pneumokokken zählt die Vorgeschichte besonders. Nach einer früheren Impfung mit PPSV23 empfiehlt die STIKO für Menschen ab 60 Jahren mindestens sechs Jahre Abstand bis zur PCV20-Impfung. Nach PCV13 kann ein Abstand von mindestens einem Jahr gelten. Ob und wann eine Dosis passt, sollte anhand des Impfpasses entschieden werden.S63

Die Gürtelrose-Impfung besteht aus zwei Dosen. Der vorgesehene Abstand beträgt zwei bis sechs Monate. Wird die zweite Dosis später gegeben, muss die Impfserie nach RKI-Angaben nicht neu begonnen werden. Für RSV gibt es derzeit eine einmalige Empfehlung, keine jährliche Auffrischung. Die STIKO empfiehlt den Termin möglichst vor der RSV-Saison im Spätsommer oder Herbst.S64S65

COVID-19: die Änderung von 2026 richtig einordnen

Ältere Übersichten nennen teils noch 60 Jahre als Altersgrenze für die jährliche Standardauffrischung. Die aktualisierte Empfehlung vom Juli 2026 hebt sie auf 75 Jahre an. Eine jährliche Auffrischung bleibt außerdem für Menschen mit einer Grunderkrankung empfohlen, die das Risiko eines schweren Verlaufs erhöht, sowie für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen. Auch ein erhöhtes arbeitsbedingtes Infektionsrisiko kann eine Rolle spielen.S60S61

Für gesunde Menschen zwischen 60 und 74 Jahren bedeutet das: Allein das Alter begründet keine jährliche COVID-19-Auffrischung mehr. Wer eine chronische Erkrankung hat, in einer Pflegeeinrichtung lebt oder eine andere mögliche Indikation vermutet, sollte sie individuell mit der behandelnden Praxis besprechen. Eine versäumte Impfung kann während der Saison nachgeholt werden. Nach einer bestätigten Infektion oder letzten Impfung nennt die STIKO für die Auffrischung möglichst einen Abstand von sechs Monaten.S61

Den übrigen Impfstatus gleich mit ansehen

Auch Impfungen, die nicht speziell ab 60 beginnen, gehören zum Gespräch. Die STIKO empfiehlt Erwachsenen Auffrischungen gegen Tetanus und Diphtherie im Abstand von zehn Jahren. Bei der ersten fälligen Auffrischung soll einmalig ein Kombinationsimpfstoff gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten verwendet werden. Für nach 1970 geborene Erwachsene mit unklarem Impfstatus oder höchstens einer Impfung in der Kindheit ist eine einmalige Masernimpfung vorgesehen.S59

Eine STIKO-Empfehlung und die Kostenübernahme sind zwei unterschiedliche Fragen. Die Schutzimpfungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses regelt den Leistungsanspruch gesetzlich Versicherter. Wenn eine Impfung außerhalb der Standardempfehlung erwogen wird oder Sie unsicher sind, fragen Sie vorab die Praxis und Ihre Krankenkasse nach den Voraussetzungen.S66

Beginnen Sie mit dem, was dokumentiert ist. Nehmen Sie den Impfpass und bei Bedarf eine Liste Ihrer Erkrankungen und Medikamente mit. So kann die Praxis frühere Impfungen, persönliche Risiken, mögliche Abstände und den passenden Zeitpunkt zusammen betrachten. Wie Sie weitere Fragen für einen Termin ordnen, zeigt die Alltagshilfe zur Gesprächsvorbereitung. Der Beitrag Vorsorgetermin vorbereiten hilft, Beobachtungen und Anliegen vorher aufzuschreiben.

Grenze der Information. Dieser Beitrag gibt den Empfehlungsstand vom 24. Oktober 2026 wieder. Er prüft keinen individuellen Impfpass und gibt keine persönliche Impfempfehlung. Bei Vorerkrankungen, Immunschwäche, früheren Impfungen oder Fragen zu Kosten und Verträglichkeit ist die behandelnde Praxis die passende Anlaufstelle.

Quellen

Die Angaben nennen die verwendeten Dokumente und den Zeitpunkt der redaktionellen Prüfung. Sie erscheinen hier als Textangabe. Nur an den dafür festgelegten Stellen führt ein Beitrag zu einer externen Seite.

  1. Robert Koch-Institut, Ständige Impfkommission: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission 2026, Impfkalender für Erwachsene, Epidemiologisches Bulletin 4/2026; COVID-19-Empfehlung durch die Aktualisierung im Epidemiologischen Bulletin 28/2026 teilweise ersetzt Redaktionell eingesehen am 24. Oktober 2026. Zurück zur Überschrift der Quellen
  2. Robert Koch-Institut: COVID-19 und Impfen: Antworten auf häufig gestellte Fragen, FAQ-Stand 16. Oktober 2026; Empfehlungsstand 15. Oktober 2026 Redaktionell eingesehen am 24. Oktober 2026. Zurück zur Überschrift der Quellen
  3. Robert Koch-Institut, Ständige Impfkommission: Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung der STIKO und Wegfall der Empfehlung zur Erlangung einer Basisimmunität, Epidemiologisches Bulletin 28/2026, 9. Juli 2026 Redaktionell eingesehen am 24. Oktober 2026. Zurück zur Überschrift der Quellen
  4. Robert Koch-Institut: Schutzimpfung gegen Influenza: Impfempfehlung, Stand 10. September 2026 Redaktionell eingesehen am 24. Oktober 2026. Zurück zur Überschrift der Quellen
  5. Robert Koch-Institut: Schutzimpfung gegen Pneumokokken: Häufig gestellte Fragen und Antworten, Stand 23. März 2026 Redaktionell eingesehen am 24. Oktober 2026. Zurück zur Überschrift der Quellen
  6. Robert Koch-Institut: Gürtelrose: Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Erkrankung und Impfung, Stand 4. Februar 2026 Redaktionell eingesehen am 24. Oktober 2026. Zurück zur Überschrift der Quellen
  7. Robert Koch-Institut: Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Schutzimpfung gegen RSV, Stand 10. September 2026 Redaktionell eingesehen am 24. Oktober 2026. Zurück zur Überschrift der Quellen
  8. Gemeinsamer Bundesausschuss: Schutzimpfungs-Richtlinie, Richtlinie über Schutzimpfungen nach § 20i Absatz 1 SGB V, In Kraft seit 28. April 2026 Redaktionell eingesehen am 24. Oktober 2026. Zurück zur Überschrift der Quellen

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